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	<title>blogpartei &#187; V</title>
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	<description>ein muenchener musikblog</description>
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		<title>Wer ist denn &#8230; Candelilla?</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Nov 2009 21:18:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Liesch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Issue 03]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer den aktuellen Music Alliance Pact gelesen hat, wei&#223; Bescheid: Candelilla sind mein Ding. Das Deb&#252;t reasonreasonreasonreason liegt mir nun bereits zwei Wochen vor, ich hatte somit einige Zeit, mich in den ambitionierten und inspirierten Sound einzuh&#246;ren. Nach dem Klick ein umfangreiches Review der M&#252;nchener Avantgarde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.blogpartei.de/wp-content/uploads/2009/11/Candelilla2.jpg" alt="Candelilla" title="Candelilla" width="500" class="size-full wp-image-3171" /><br />
Wer den aktuellen <a href="http://www.blogpartei.de/2009/11/15/music-alliance-pact-november-2009/">Music Alliance Pact </a>gelesen hat, wei&#223; Bescheid: <a href="http://www.myspace.com/candelilla"><strong>Candelilla</strong></a> sind mein Ding. Das Deb&#252;t <em>reasonreasonreasonreason </em>liegt mir nun bereits zwei Wochen vor, ich hatte somit einige Zeit, mich in den Sound einzuh&#246;ren. </p>
<p>Doch nun zum Wichtigsten &#8211; zur Musik. Offenbar f&#228;llt es vielen Musikkritikern nicht ganz leicht, Candelillas Musik einzuordnen; dies kann man an den mannigfaltigen Bezeichnungen ablesen, die der Musik des M&#252;nchener Vierers gegeben werden: Von &#8220;Trash-Pop&#8221;, &#8220;Grunge-Punk&#8221;, &#8220;Motz-Kunst-Rock&#8221; &#252;ber &#8220;Indie-Rock&#8221; bis zu &#8220;Riot-Grrrl-Punk&#8221; ist da die Rede. Sicher ist, dass die Vier gerne verschiedene Musikstile inkorporieren. Zwei Referenzbands stehen jedoch immer im Raum, wenn es um Candelillas Stil geht: Dresden Dolls und Sonic Youth. Wenden wir uns also zun&#228;chst der technischeren Seite der Musik zu, um danach die transportierten Stimmungen zu thematisieren.</p>
<p><a href="http://www.blogpartei.de/wp-content/uploads/2009/11/Candelilla-13%28Germany%29.mp3">Download audio file (Candelilla-13%28Germany%29.mp3)</a><br />
<a href="http://www.blogpartei.de/wp-content/uploads/2009/11/Candelilla-13%28Germany%29.mp3">Candelilla &#8211; #13</a></p>
<p>In der M&#252;nchener Szene wurden Candelilla in den letzten Jahren immer wieder ausgezeichnet: Beste junge Band der Stadt, beste V&#214; der Stadt &#8211; doch selbst die vier M&#228;dels finden, dass sie erst jetzt die Musik machen, f&#252;r die sie diese Vorschusslorbeeren kassiert haben. Augenf&#228;llig wird die Entwicklung der Band unter anderem an diversen Umbesetzungen: So spielt Sandra Hipold das Schlagzeug mit einem anderen Anspruch als die ersetzte Dominique de Marné, die eher ein Akzentuieren des Gitarrenl&#228;rms (sanfte Drums, viel Becken) favorisierte. Hipold ist das Metronom der Band, das die anderen Instrumente vor sich hertreibt und ihren Einsatz quasi ank&#252;ndigt. Sehr sch&#246;n kann man das an der Single <em>#13</em>, aber auch <em>#19</em> h&#246;ren. Nichtsdestotrotz sind die zuerst geschriebenen Songs des Albums (dessen Nummern eben dieses chronologisches Schaffungsdatum indizieren) wie <em>#1</em> und <em>#4</em> eher dem &#8220;alten&#8221; Schema verpflichtet, aber mit deutlich st&#228;rkerer Pr&#228;gnanz im Spiel als de Marné.</p>
<p><strong>Dresden Dolls</strong> als Referenz sind insofern keine schlechte Wahl, da zum Einen der charakteristische, teils von der Stimmlage sehr &#228;hnliche Gesang von Lina, Rita und Mira (<em>#1</em>) an Amanda Palmer erinnert. Dazu kommt zum Anderen selbstverst&#228;ndlich auch das Spiel von Rita, die sich inzwischen nur noch am Klavier verdingt. Dort h&#228;lt sie sich in manchen Songs vornehm zur&#252;ck, um daf&#252;r anderen Songs ganz klar ihren Stempel aufzudr&#252;cken; manchmal in vorderster Front als Rhythmus- und Melodiegeber (<em>#17, #1, #18</em>), dann wieder als Akzentuierer wie in <em>#14</em>.</p>
<p>&#220;ber die Jahre ebenfalls deutlich an Ausdruckskraft zugelegt hat der Bass von Mira Mann. Auch hier sollte <em>#13</em> als eine gute Referenz dienen, <em>#15</em> zeigt es aber wohl am deutlichsten &#8211; genau so mag ich das! Wer eine andere, an The Clash angelehnte Variante h&#246;ren will, k&#246;nnte sich <em>#1</em> zuwenden, der im Hintergrund das Fundament legt, um dann in der Mitte des Songs wie eine Gitarre gespielt im Vordergrund zu wirken. Und wie ihr sicher langsam wisst, ist f&#252;r mich ein gut gespielter Bass mehr wert als jedes andere Instrument in einer Band. </p>
<p><a href="http://gffstream.vo.llnwd.net/o16/br/on3//music/33/1c781d8f45f23a8d564fc81f7ff4873ddab97969.mp3">Download audio file (1c781d8f45f23a8d564fc81f7ff4873ddab97969.mp3)</a><br />
<a href="http://gffstream.vo.llnwd.net/o16/br/on3//music/33/1c781d8f45f23a8d564fc81f7ff4873ddab97969.mp3">Let&#8217;s Build A Dangerous Minded Society (2005)</a></p>
<p>Die zweite, gernzitierte Referenzband <strong>Sonic Youth</strong> h&#246;rt man zum Einen in der generellen Experimentierfreudigkeit, was beispielsweise rauchige Sounds angeht, zum Anderen aber auch im Facettenreichtum der Gitarre: Die kurz angeschlagene, stark verzerrte Gitarre, die einem Song wie <em>#16</em> in dessen zweiter H&#228;lfte Highlights verpasst, dann aber in <em>#17</em> schamlos im Postrock wildert, um in <em>#14</em> oder auch <em>#18</em> wunderbar sanft die Textzeilen zu untermalen. Dazu kommt noch der Mut zu Stilwechseln innerhalb eines Songs: <em>#11</em> beginnt als herzhafter Indierock mit ordentlich <del>Gitarrenriffs</del> hochgeregelten Bassriffs, geht dann nach einem Klavierintermezzo jedoch &#252;ber in Postrock &#8211; um dann den Indierock nochmals aufzunehmen und erneut im Postrock ausklingen zu lassen. </p>
<p><a href="http://gffstream.vo.llnwd.net/o16/br/on3//music/44/992ac106d0a07639e02a23d3d1893dc4687ac5a4.mp3">Download audio file (992ac106d0a07639e02a23d3d1893dc4687ac5a4.mp3)</a><br />
<a href="http://gffstream.vo.llnwd.net/o16/br/on3//music/44/992ac106d0a07639e02a23d3d1893dc4687ac5a4.mp3">Candelilla &#8211; Neun (2008)</a></p>
<p>Als Verdikt k&#246;nnte <em>#17</em> dienen &#8211; Der Song hat deutsche wie englische Lyrik mit dem Thema vom Kampf gegen gezogene Grenzen, die zwischen Wut und augenzwinkerndem Dadaismus schwankt, wie in so vielen Songs von Candelilla. Zum anderen gibt allen vier Instrumenten genau den Raum, den sie vollst&#228;ndig ausf&#252;llen k&#246;nnen, ohne andere in den Hintergrund zu dr&#228;ngen (was vielleicht die heimliche St&#228;rke der Band ist): Das Klavier setzt die melodische Grundlinie fast schon wie normalerweise der Bass, das Schlagzeug treibt den Song rhythmussicher und druckvoll an, die Gitarre schrubbt rauschig verzerrt wunderbar vor sich hin, um sich stellenweise geradezu melancholisch der Antiklimax hinzugeben, der Bass setzt die tiefen Akzente.</p>
<p>So viel zum musikalischen Anspruch der Damen. Stilsicherheit durch Stileklektik k&#246;nnte das Motto sein.</p>
<p>Dieses aufgebaute musikalische Ger&#252;st hat jedoch auch einen Zweck &#8211; es soll Stimmungen transportieren. Und in dieser Stimmung kommt nun der Grunge zu seinen Ehren. Denn viele Songs haben insbesondere in den Songtexten eine mehr oder minder unterschwellige Aggression. Doch w&#228;hrend in fr&#252;heren Songs das eher noch offen thematisiert, quasi der Teenage Angst gehuldigt wurde, wird dies nun in Wortspielen, metaphorischen Oxymora, zum Teil auch ironisch verpackt und muss erst entschl&#252;sselt werden. Eine gewisse Reife gegen&#252;ber den thematisierten Problemen quasi, die man jedoch nicht mit Distanz oder Leidenschaftslosigkeit verwechseln sollte. Denn leidenschaftslos, distanziert oder simpel sind Candelilla sicher nicht. </p>
<p>Was f&#252;r ein Aush&#228;ngeschild f&#252;r M&#252;nchen. </p>
<blockquote><p>Tracklist: 11, 13, 17, 4, 14, 1, 10, 18, 15, 19, 16, 12
</p></blockquote>
<p><img src="http://www.blogpartei.de/wp-content/uploads/2009/11/candelilla1.jpg" alt="Candelilla" title="Candelilla" width="500" class="size-full wp-image-3170" /></p>
<p>Dass Candelilla die Dinge gerne insgesamt richtig anpacken, kann man an einigen Dingen sehen, die &#252;ber die Songs hinausgehen. Zur Aufnahme des Deb&#252;ts verabschiedeten sie sich gleich ganz in die Abgeschiedenheit einer M&#252;hle bei F&#252;rstenfeldbruck, f&#252;r potentielle Konzertveranstalter gibt es einen genauen, technischen B&#252;hnenplan zum <a href="http://www.candelilla.de/Candelilla_Technical%20Rider.pdf">Download (pdf)</a>, EP wie Album sind liebevoll von Hand gestaltet und gesiebdruckt, Pressematerial von einer handgeschriebenen Nachricht begleitet. Und nicht zuletzt hie&#223; die EP von 2004 &#8220;Our Start To Stay&#8221;.</p>
<p><img src="http://www.blogpartei.de/wp-content/uploads/2009/11/Candelilla3.jpg" alt="Candelilla" title="Candelilla" width="500" class="size-full wp-image-3172" /></p>
<blockquote><p>Mitglieder: Lina Seybold, Rita Argauer, Mira Mann, Sandra Hipold<br />
Album: Candelilla EP (2007), &#8230;Don&#8217;t Rely On What Others Say EP (2008), reasonreasonreasonreason (2009)<br />
Label: <a href="http://www.red-can.com/">Red Can Records</a><br />
Downloads:<a href="http://www.blogpartei.de/wp-content/uploads/2009/11/Candelilla-13%28Germany%29.mp3">#13</a>, <a href="http://gffstream.vo.llnwd.net/o16/br/on3//music/44/992ac106d0a07639e02a23d3d1893dc4687ac5a4.mp3">Neun (2008)</a>, <a href="http://gffstream.vo.llnwd.net/o16/br/on3//music/78/5c46af36962d3ef3ceab6a084f0a356ae24e284a.mp3">Happy Fucking Valentines Day (2005)</a>, <a href="http://gffstream.vo.llnwd.net/o16/br/on3//music/33/1c781d8f45f23a8d564fc81f7ff4873ddab97969.mp3">Let&#8217;s Build A Dangerous Minded Society (2005)</a><br />
Links: <a href="http://www.myspace.com/candelilla">Myspace</a>, <a href="http://www.candelilla.de/">Homepage</a>
</p></blockquote>
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