von Thomas Liesch
Register: III, Issue 04, Kaffeesatz |
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Kaffeesatz: Ausblick der BBC auf 2010
Nachdem ja eigentlich alle Blogs bis zum Überdruss mit Jahreslisten geprotzt und geglänzt haben – wir waren jedoch auch nicht ganz unschuldig – wird es Zeit, sich auf die kommenden Monate geistig vorzubereiten und ein wenig Kaffeesatz zu lesen. Im letzten Jahr habe ich mir ja den Ausblick der BBC zur Brust genommen, das Fazit unter dem Strich ist gespalten:
Erfolgreich waren fast alle der genannten Bands, manche kommerziell ohne eine gewisse Qualitätshürde jedoch in meinen Ohren zu überspringen: Lady GaGa, La Roux, Little Boots, Passion Pit, Empire Of The Sun, White Lies. Das waren alles nette Bands, konnte man sich mal anhören, man konnte es aber auch sein lassen und hatte nichts musikalisch Hochklassiges verpasst. Man konnte sogar einer unsäglichen Leier wie Empire Of The Sun entgehen. Andere Bands wiederum finde ich immer noch richtig, richtig gut, etwa Mumford & Sons, Florence + The Machine oder The Big Pink. Letztere sind übrigens am 26. Januar im 59:1 zu sehen, der einzige Deutschlandtermin!
Die wirklichen Kracher hat jedoch keiner vorausgesehen, weder bei den Newcomern, noch bei den Bands, die bereits ihr drittes, viertes, zehntes Album präsentierten und damit immer noch alle anderen in den Schatten stellten. Also nehmt das Kommende nicht zu ernst, die wahren Highlights sind eigentlich immer nur die Überraschungen, oder?
Für dieses Jahr gibt es noch einige Musikinstitutionen mehr, die es wagen, eine selbsterfüllende Prophezeiung in die Welt zu setzen:
Teil I: Die BBC legt wie immer fast kommentarlos 15 Bands vor
Teil II: Der Guardian, MTVuk und einige Blogs wagen ebenfalls den Blick in die Zukunft.
Teil III: Der NME stellt ein 20-köpfiges Radar Mixtape 2010 zum Download bereit.

BBC-Kaffeesatz
Auch dieses Jahr legt die BBC eine 15 Bands umfassende Liste zum “Sound of 2010″ vor, die zahlreiche – zahllose – namenlose angefragte Musikjournalisten in ihrem Auftrag zusammengetragen haben. Eine gewisse HMV-Lastigkeit ist immer anzunehmen, doch ein, zwei Perlen waren bisher jedes Jahr dabei. So auch dieses Jahr.
mau - Daisy Dares You macht angeblich Kaugummipunk und hat Kurt Cobain und Karen O. als Vorbilder. Mit diesem Gejaule und einer Attitüde, die es im Doppelpack billiger gibt, ist sie von diesen jedoch so weit weg, wie die Yeah Yeah Yeahs von ihrer Anfangsenergie. Pappig und zäh.
ganz nett – Delphic sind quasi die Thronfolger des Manchester Rave; doch sie verwalten das Erbe nicht nur, sie entwickeln es weiter – eigentlich zurück in die Früh-Neunziger und das nicht schlecht. Live dann kein Laptopgefrickel, sondern eine “echte” Electronica-Band. Am 10. Februar übrigens im 59:1 zu sehen. Und nein, ich bekomm von denen kein Geld, aber im Moment holen die einfach die jungen Acts, während dem Atomic irgendwie der Geschmack abhanden gekommen ist.
mau – Devlin ist Grime-Rapper und nein, das Genre ist offenbar noch nicht tot. Aber es ist im Mainstream angekommen und wird langsam popradiotauglich, was für mich selten ein gutes Zeichen ist. Oppositionist ich… Aber hej, verdammt, ich kann diese hohen, elektronisch verfremdeten Frauenstimmen nicht mehr hören! Fever Ray hatte das perfekt eingesetzt, aber allein hier sind ja 3 Acts dabei, die das verwenden – grauenhaft.
gut – The Drums sind quasi die Gute-Laune-Version der 80er. Sie nehmen den Surf und den Wave und mischen daraus eine unterhaltsame Musik, die keine Maßstäbe setzt, aber weitab von diesem Soundmatsch drumherum ist. Mehr dazu bei istoolong.
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gut – Everything Everything sagen, sie machten Melodramtischer Pop mit A Capella. Und eigentlich, so verkehrt ist das doch nicht? Leichte Musik, dennoch mit einem Händchen für etwas komplexere Strukturen bspw. bei Schlagzeug oder Gesang. Zum Mitsingen isses nicht unbedingt. Am 21. Januar im Atomic Café. Mehr dazu bei The Headhoops
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Everything Everything – Photoshop Handsome
ganz nett – Giggs hat Meriten: Neben dem obligatorischen Knastaufenthalt, hat er Dizzee Rascal und Chipmunk bei den BET HH-Awards hinter sich gelassen und Mike Skinner als Kollaborateur. Inzwischen bei XL unter Vertrag (White Stripes, M.I.A.), ist dies sicher das Jahr, wo er oben landet. Zwar ist das für meine ungeübten Ohren kein BrettHH wie der von Dizzee, aber entspannt und mit Flow. Würde Speech Debelle jedoch bevorzugen.
brillant – Gold Panda hat sich einen Namen als Remixer von Bloc Party oder Simian Mobile Disco gemacht. Doch solo ist das Ganze noch deutlich stärker, Ambient der absoluten Oberklasse. Mehr dazu bei iso50 und istoolong. Unbeding das Video anschauen! Auch das auf der BBC-Seite!
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Gold Panda – Quitter’s Raga
mau – Ellie Goulding kommt aus Wales und macht teils sanfte, teils sehr poppige Songs, hat eine recht hohe, aber angenehme Stimme, die sie jedoch bei manchen Songs elektronisch verzerren lässt. Weichspülerpop, der größtenteils versucht, tiefgehend zu sein, dabei aber nur die nächsten H&M-Songs liefert. Mehr bei 78s und Monarchie & Alltag.
mau – Hurts hurts. Zwar ist die Remineszenz an die späten 80er á la nicht nur vom Aussehen her wirklich gelungen, aber gefallen tut’s mir dennoch immer noch nicht. Tears for Fears oder Level 42 sind passend Vergleiche. Last.fm dreht bei der Band übrigens völlig durch und liefert als passende Acts nur Visual-Key. Öhm. Mehr dazu bei Monarchie & Alltag.
mau – Joy Orbison ist Dance-DJ. Damit is’ der Kas biss’n, nix für mich.
mau – Marina and the Diamonds hat eine schöne Stimme. Und weiter? Nicht viel, Standardpop. Es ödet mich an. Mehr dazu bei Monarchie & Alltag
argh – Owl City. Das darf nicht wahr sein. Wieder elektronisches Gedingel, wieder verzerrte Stimme. Bitte, bitte geht einfach weg, das ist wirklich schlimm. Auch live zu sehen im 59:1, 28. Februar.
hm – Rox. Wer so hübsch lacht, kann kein schlechter Mensch sein. Die Halbiranerin-Jamaikanerin versucht den Soul, der in den letzten Jahren von Alicia Keys und Co. völlig versaut wurde, wieder in die richtige Spur zu bringen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob das Potential dazu ausreicht. Die Stimme scheint noch etwas unausgereift, die Band glänzt auch eher durch Begleitmusik, statt sich voll mit einzubringen. Hm.
gut – Stornoway machen die Art von Folk, der in den letzten beiden Jahren mit den Maccabees eigentlich ganz gut ankam. Die einen Songs zurückgenommen mit schönen Arrangements, die anderen ausschreitend, fast schon tanzbar. Obwohl, eigentlich ist Folk immer tanzbar, nur nicht ganz so disco-klassisch. Nicht uninteressant.
mau – Two Door Cinema Club ist für mich ein weiterer Abklatsch, eine Copycat, langweilig, keine neuen Ideen, alles in den letzten Monaten und Jahren doch schon xmal gehört. Da ändert auch der Name nix. Am 8. April im Atomic zu sehen.
Fazit: Viel Mist, viel poppiger Kram, der mich einfach nicht mehr interessiert. Schade, dass ausgerechnet die weiblichen Acts alle eine Schublade bedienen, die ich bereits letztes Jahr als H&M-Fahrstuhlmusik bezeichnet habe. Waren wohl nur Männer als Journalisten geladen…
Aber gut sind definitiv The Drums: Der Basslauf, die Synthies ganz 80er-Wave, die Atmosphäre dennoch meist leicht, wie es sich für eine Quasi-Surf-Band (Florida als Entstehungsort) gehört. Sicher nichts weltbewegend Neues, doch stilsicher in alten Gefielden wildernd. Auch Everything Everything hat für mich Potential, allerdings ist die Stimme gewöhnungsbedürftig und gefährdet, dass sie nach einer Weile nervt. Mal sehen. Stornoway haben zwar einen seltsamen Namen, aber ein Gespür für den Sound, der in den Indiekreisen gerade so geht. Und wenn ich mich darauf einlasse, werde ich wissen, ob dieser Folk mit zu platt ist oder nicht doch gut.
Der Fund schlechthin ist für mich aber Gold Panda. Was für ein Kopf, inkorporiert Elemente aus der ganzen Welt (und das darf man wörtlich verstehen) und bastelt daraus einen dermaßen reifen und entspannten Sound! Hab’ mir sofort die EP bestellt und harre auf das Album.
Livetermine in der Übersicht
21. Januar – Everything Everything im Atomic Café
10. Februar – Delphic im 59:1
28. Februar – Owl City im 59:1
8. April – Two Door Cinema Club im Atomic Café
Michel am 11. 04. 2010Danke für die Auflistung mit all den Hörproben. Ich bemühe mich immerzu mit der Musik des 21 JH klar zu kommen. Aber irgendwie kann ich mit den meisten Stücken nix anfangen. In den 70er, 80er und 90er Jahren ist meiner Meinung nach die beste Musik gemacht worden.
Thomas Liesch am 11. 04. 2010Hej Michel,
ach du, das hat mein Bruder auch immer gesagt, aber es gibt bestimmt was, was dir gefällt! Welche Künstler sind denn deine Favoriten aus den 70,80.90er Jahren? Eventuell kann ich dir ja was Neues anbieten…? :)




