28. November – on3 Festival Teil II

Gestern ging es ja bereits um die internationalen Acts, die sich auf dem on3-Festival die Bühnen im Klangraum teilen. Heute soll es um die deutschen Bands gehen, von denen einige ebenfalls sehr vielversprechend sind. Ganz vorweg: Dobré & Sepp Kennedy wird der Pflichttermin. Und The Great Bertholinis meine persönliche Zirkusnummer.

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Dave & Hal

Wall Of Sound. Das ist das Erste, was mir zu den vier Jungs aus dem Kuhkaff Poppenlauer einfällt. Und das Zweite war tatsächlich Stanley Kubrick. Oder wartet, zuerst an Hall 9000. Und dann erst noch an den Dave, den Unglücklichen. Egal, auf alle Fälle ein grandioser Bandname! Sieht nach Pappe aus, ist aber Granit drunter. Womit ich wieder bei der Brick Wall Of Sound bin.

Geht es um wuchtige Rockmusik bin ich ja eher ein Laie. Aber wenn jedes Review den Namen erwähnt, die Bands selbst sie als “Top-Friend” hat – es soll wohl so sein: Trail Of Dead. Sie sind die Referenz, die sich Dave & Hal selbst setzen. Und zwar völlig zurecht, denn allein wie “They Can’t Call Me A Liar” oder “Dave & Hal” das Tempo, Stil, Lautstärke und Verzerrer wechseln, wie das Schlagzeug den Gitarrenlärm vor sich hertreibt, das ist der Stil von Trail Of Dead. Da macht es nicht unbedingt so viel aus, dass die Stimme von Simon Troll nicht die Wucht von Conrad Keely erreicht. Fehlt noch bissl Whisky.

Für Fans von genormtem Krach. Und sympathischen Menschen (Videobeweis)

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Dadajugend Polyform

Immer wieder erstaunlich: Elektropunk ist nicht totzukriegen. Bumbumbass, Synthies, Geschrei. Und er schafft damit auch meine alternden Beine immer wieder zum Gummitwist zu bewegen. Dadajugend Polyform versuchen gar nicht erst verkopfte Musik zu machen. Sie wollen nur spielen. Und genau das tun sie offenbar auch live mit einer ähnlichen Energie, wie es die Songs vermuten lassen. Zumindest lässt Platz 33 der Intro Live-Act-Charts von 2008 als weitgehend unbekannte Band diesen Schluss zu. Bleibt nur noch eine Frage: Was wäre die Welt ohne Roland? Tut man Ihnen nicht doch unrecht, wenn man sie als simple Elektropunkband einordnet?

Für Fans von Bratze, Deichkind, Kraftwerk, High Voltage Humans

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Dobré

Dobré & Sepp Kennedy

Ist Kritikerliebling eigentlich noch ein Schimpfwort? Dobré ist in München zumindest genau das. Eines kann man ihm und seinen vier Kennedys zumindest nicht vorwerfen: Dass seine Songs nach Fürstenfeldbruck klingen. Stattdessen klingt das verdammt souverän. Mut zur Ruhe könnte man es auch nennen, hört man bspw. “The Cat” an. Es trifft auch bei “Golden Rider” Kante auf Notwist, um mal bei deutschen Bands zu bleiben. Dazu a bisserl Folk á la Fleet Foxes und man hat die ruhigen Songs grob eingekreist.

Hört man dagegen “Wrong Road”, fühlt man sich wie in Skandinavien. Pianobegleitet gibt Johannes alias Dobré seiner Stimme einen Touch der 70er, dazu könnte auch 22 Pistepirkko die Begleitung spielen. Ich bin ehrlich gesagt ein wenig verwirrt. Fürstenfeldbruck? Wirklich?

Für Fans von Eels, Elliot Smith, Kante, Mando Diao in akustisch und mehr

Mp3s, nämlich “MNY”, “Little Song” sowie “Admit!” gibt es übrigens auf der last-Seite.

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Kleinmeister

Vielleicht ist es ja zu spät am Abend, vielleicht bin ich ja unfair. Aber irgendwie… Okay, von vorne: Kleinmeister kommen aus Rosenheim und sind zu Dritt – Die Gebrüder Spindler an Gesang und Gitarre. Dazu Johannes Vogt am Schlagzeug. Der Gesang ist englisch, das Genre anfangs recht klar Indiepop; fast ein wenig zu leicht, schmeichelnd. “Cynical”, “Black & White”, alles zu einfach, zu langweilig. Aber lass mal weiterhören.

Und siehe da, ich wäre voreilig gewesen. Denn “Awake” und “You Are Worse” retten den Abend. “Awake” ist ein zurückgenommener Indiesong, der gerade in Kombination mit “You Are Worse” das Spektrum der Band aufzeigt. Denn letzterer Song ist eine Reminiszenz an den frühen Britpop, insbesondere die Gitarre und der etwas disperse Gesang. Und on3 hat wirklich Recht, blur lugt um die Ecke.

Für Fans von Shoegaze und Britpop, Jarvis Cocker und blur

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The Great Bertholinis

The Great Bertholinis

Oh ja, oh jäa! Ich mag es einfach, wenn Leute wissen, wie man das Saxophon unpeinlich benutzt. Denn als Saxophonist (*staubwischt*) nervt mich nichts mehr als 1. Pornosaxophon, das nachts das Kabel1-Programm untermalt und 2. Gieks-Saxophon, das keinen Plan von Phrasierung oder dem Charme der dreckigen, sonoren Rechthandklappen hat. Soweit, so nerdy. The Great Bertholinis machen diesen Fehler zum Glück nicht. Stattdessen setzen sie die Bläser mal als akzentesetzendes Instrument, mal als verkappten Hintergrundbass ein. In “The Waltz & The Failure” kokketieren sie mit dem Gauklerimage, in “Time Machine” dagegen mit Folkbands wie Dear Reader, in “No One Knows” mit dem Hillbillyblues/Americana. Facettenreich, sympathisch, kreativ.

Und wer seine Bilder mit “Latest Stolen Souls” überschreibt, der hat einen phantastischen Sinn für Obskurses und Abseitiges.

Für Fans von Dear Reader, Gogol Bordello, Beirut und ganz anderen Dingen als den genannten


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