11. November 2009
von Thomas Liesch
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28. November – on3 Festival Teil I

Es ist mal wieder soweit, das on3-Festival steht vor der Tür. Und die Tür ist für die meisten schon wieder verschlossen, denn es ist nach nicht einmal einer Woche Kartenverkauf bereits ausverkauft; Restkarten gibt es nur noch über ein on3-Gewinnspiel. Soweit, so schade. Aber für denjenigen, der keinen Zugang bekommt, können die Bands ja dennoch interessant sein, schließlich beweist der BR immer gutes Gespür für interessante Bands, denen eine größere Bekanntheit nicht schlecht zu Gesicht stünde, siehe dazu auch meine Reviews vom vorigen Jahr. In diesem ersten Teil der Vorschau soll es um die internationalen Künstler gehen, im zweiten dann um deutsche Acts. Und ab geht’s!

Chris Garneau

Chris Garneau

Die Bezeichnung Songwriter schreckt mich immer etwas ab. Zu oft ist das benutzt worden für Solokünstler, die außer Gitarrespielen und ein wenig Singen nicht viel auf dem Kasten hatten. Aber was hören wir hier? Eine zarte Stimme, Songs die einen irgendwie in ein anderes Zeitalter bzw. einen anderen Zustand versetzen. Ein Song wie “Fireflies” lebt von der Stimme, die zwar den Stil der 20er Jahre – das Schnellreden gegen Ende der Strophe – imitiert, damit aber sehr frisch und verspielt daher kommt. Garneau schreckt auch vor pathetischen Bläsern nicht zurück und trifft damit einen Nerv bei mir, der nach dem ewiggleichen Nutzen von Posaune und Trompete als reines Ska-Instrument diese Elemente geradezu ersehnt hat. Die meisten Songs leben jedoch von ihrer Zurückgenommenenheit, das beste Beispiel dürfte hier das Schlagzeug sein, das mit dem Besen quasi nur gestreichelt wird.

Livepotential bleibt jedoch abzuwarten, denn Garneau geht das Ganze auch live eher ruhig an. Allerdings nicht pathoslos, wie ihr beim Konzerttagebuch nachlesen könnt.

Für Fans von Sufjan Stevens, Cat Power, Scott Matthew oder auch Beirut

Reviews: “El Radio” (2009) – Pitchfork (4.8/10), Plattentests (8/10) | “Music For Tourists” (2007) – Plattentests (8/10), Pitchfork (2.3/10)
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Ebony Bones!

Sucht man eine Nachfolgerin im Geiste für die letztjährige Bastard-Queen Santogold, landet man für dieses Jahr zwangsläufig bei Ebony Thomas aus London. Zwar könnte man sagen, dass “Bone Of My Bones” schriller und lauter geraten ist als “Santogold”, aber die grundsätzlichen Elemente sind absolut vergleichbar. Gerade Songs wie “Story Of St. Ockwell”, “Warrior” oder “We Know All About You” könnten genausogut von Miss White sein: Eine wuchtige Bassline, der charismatische, aber eben nicht unverwechselbare Gesang, die Unterstützung durch mehrere Backgroundsängerinnen… Im Juli schrieb ich “Mir taugt Ebony Bones” dennoch sogar mehr als Santogold. Hat mehr Ideen drin. Auf alle Fälle schon mal gutes Popcorn, das Spaß macht. Mal sehen, wie lange der Spaß anhält.” Und bis jetzt hält der Spaß an, wo “L.E.S. Artistes” ebenfalls noch in meiner Rotation gelistet ist, hat Ebony Bones! einen höheren Stellenwert, auch wenn einige Songs (“The Muzik”, “In G.O.D. We Trust”) eher durchschnittlich sind.

Was mich aber beim Festival nicht davon abhalten wird, Miss Thomas dennoch anzuschauen, denn live hat sie eine halbes Dutzend Leute mit auf der Bühne, die in mindestens ebenso durchgeknallten Outfits durch die Gegend springen, wie die, für die Ebony Bones! bekannt ist.

Für Fans von Schlachthofbronx, Santigold, VV Brown, Afrobeat oder Baile Funk

Reviews: “Bone Of My Bones” (2009) – Plattentests (7/10), laut (3/5)
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FM Belfast

Wer regelmäßig den Music Alliance Pact verfolgt, wird FM Belfast bereits vom Oktober her kennen, wo sie mit “Synthia” vertreten waren. Das Künstlerkollektiv kommt entgegen aller Vermutungen nicht aus Irland, sondern aus Island. Sie klingen aber auch so gar nicht nach diesem Eiland, wo eher sphärische Bands wie Hjaltalín, Sigur Rós oder Sin Fang Bous herkommen. FM Belfast konzentieren sich lieber auf die im Moment so angesagte Mischung aus Elektro, Pop und Indie.

Für Fans von MGMT, LoFiFnk oder auch Timid Tiger

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FM Belfast – Synthia

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My Little Pony

Fünf junge Nicht-Hipster aus Oslo schließen sich zusammen, um gemeinsam die Welt der Attitüde zu berauben. Man zieht harte Bands durch den Kakao, liebäugelt mit dem “Stille Wasser sind tief und unten ziemlich dunkel”-Image und macht leicht säuselnden Indiepop. Aber irgendwie ist mir das alles zu leicht, zu seicht. Wenn man unfair ist, würde man sagen: Schmeckt wie ein lieblicher Wein – nichts für mich.

Für Fans von Death Cab For Cutie, Belle & Sebastian, nur alles in “lieblich”

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Royal Bangs by Lawrence Sumulong via myspace
Photo by Lawrence Sumulong via bangspace

Royal Bangs

Royal Bangs kommen aus dem eher ruralen Knoxville in Tennesse, was man allerdings überhaupt nicht hört. Die fünf Jungs machen nämlich Rocktronika mit Bumms. Die Songs treiben eine Wand vor sich her, die jedoch nicht, wie bei anderen Bands wie Japandroids, im Lärm erstickt, sondern immer die Melodie im Auge behält. Zum Teil denkt man, die ganzen verschiedenen Sounds, die die Band im Studio abspielt, würden in keinen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden können, aber trotz aller Verspieltheit: Der rote Faden, das im Endeffekt Tanzbare bleibt immer hörbar. Darin erinnert mich das Ganze sehr an LCD Soundsystem vom Elektronischen bzw. an The Features und Battles vom Drive und Rock her. Wenn ich dem Kind einen Namen geben sollte, dann würde ich “Post-Mathrock” sagen. Und hätte damit nicht mal die Hälfte des Potentials abgedeckt. Absoluter Anschaubefehl!

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Royal Bangs – Brother

Sehr sympathisch auch im Video-Interview bei on3! Ein paar mehr mp3s gibt’s als Daytrotter-Session, also rübergeschaut.

Für Fans von Japandroids, The Features, LCD SS, Does It Offend You, Yeah? sowie Battles und circa fünf anderen Genres

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Royal Bangs – Broke Calculator

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Speech Debelle

Ihr wisst ja, HipHops ist meine Sache nicht, es sei denn die Protagonisten heißen Jamie T., Dizzee Rascal oder so. Und Speech Debelle steht zumindest frei vom Verdacht des Blingblinghiphops, der mehr auf das Aussehen, denn auf die Texte oder gar die Musik insgesamt schaut. Conscious Rap nennt sich das Ganze, legt Wert auf sozialkritische Thematisierung und könnte dann und wann eine Schippe mehr vertragen. Denn so angenehm sich das vielleicht zu Hause anhört, bin ich mir für das Festival nicht ganz so sicher. Ich lass mich überraschen.

Für Fans von Talib Kweli, The Roots oder Mos Def

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Speech Debelle – Searching

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Spiral Beach

Wer sich mit Titeln wie bester kanadischer Liveact schmückt, der hat ein schweres Erbe und muss sich beweisen. Spiral Beach kommen aus dem musikalisch überlaufenen Toronto und haben sich dennoch bereits durchgesetzt. Mir fällt es etwas schwer, den Sound der Vier zu beschreiben. Die prägnante Stimme von Maddy Wilde – wohl eine echte Rampensau – erinnert an Long Blondes, Launderettes oder sowas ähnliches, was mir gerade nicht einfällt. Ihr dürft “Domino” übrigens nicht als stellvertretend für den kompletten Sound nehmen. Der ist nämlich im Gegensatz zu den meisten anderen Songs, die viel mit verschiedenen Musikstilen experimentieren, eher straight to the floor. Einfach selbst mal reinhören, für mich klingt das auf alle Fälle sehr interessant!

Für Fans von Bands, die ähnlich klingen, wo mir aber keine einfällt

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Spiral Beach – Domino

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Young Fathers

Damit zum letzten internationalen Act: Young Fathers. Old Fathers wäre wohl besser, denn das ist so derbe oldschool, dass es fast schon Angst macht. Das klingt unglaublich nach dem ganz frühen HipHop, wo man noch die Soul-Wurzeln hören konnte. Und dass das Ganze aus Edinburgh kommt, ist da fast schon Makulatur.

Für Fans von Run DMC, Curtis Mayfield, oder T La Rock

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Young Fathers – Straight Back On It

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  • Pascal am 19. 11. 2009

    Echt ein beachtliches Line-Up. Und im Gegensatz zu Dir, Thomas, würde ich mich ganz besonders auf Speech Debelle freuen;)


  • Thomas Liesch am 19. 11. 2009

    Hehe, ich lass mich überraschen, werde wohl eh eher auf die internationalen gehen, die bayerischen kommen schließlich öfter mal in München vorbei.

    Bei Speech Debelle bin ich ja nicht grundsätzlich abgeneigt, bin mir nur nicht sicher, inwieweit das live so rüberkommt. :)


  • manu am 24. 11. 2009

    spiral beach – ganz klar: für fans von pretty girls make graves!



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