von Thomas Liesch
Register: Issue 03, München, Städtereise, Wer ist denn? | |
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Wer ist denn … Schlachthofbronx?

Niemand kommt an ihnen vorbei: Schlachthofbronx. Wie sehr die zwei, respektive drei Jungs am Puls der Zeit sind, zeigt auch, dass ihnen in einem Artikel nachgesagt wird, dass sie zwar aus München kämen, aber nicht auf der Wiesn auflegten. Nääg, zwei Wochen später bereits nicht mehr die Wahrheit. Und auch Arte hat die Jungs inzwischen entdeckt – Link zum Tracksbeitrag auf Jutube.
Für die Auswärtigen, aber auch die Einheimischen sollte man erklären, woher die Jungs kommen. Ganz in der Nähe der aktuellen Hipsterviertel Gärtnerplatz und dem gemütlicheren Teil Glockenbach liegt mitten in Isarvorstadt das Schlachthofviertel: Großmarkthalle, Güterverladung, Schweinegeruch, gewundene Straßen, Graffiti allenthalben. Alles noch nicht gentrifiziert, allerdings in mauschelnden Kreisen auf dem besten Weg dazu in den nächsten fünf Jahren.
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Drei Jungs, Bene, Jakob und Christoph, allesamt bereits als DJs oder mit Soundsystems unterwegs, sind gelangweilt vom minimalistischen Sound. Sie wollen mehr: Mehr Musikstile, mehr Bass, mehr Party. Sie mischen afrikanischen Kuduro mit karibischem Dancehall, brasilianischen Baile Funk mit amerikanischem Bootybass, Dubstep mit Balkan und gießen über alles ein bisschen folkloristischen Bayernschranz. Das Ding bekommt den Namen Munich Bass und mit Hypie Hypie einen eigenen Partyabend in der Roten Sonne, wo mit Martin Gretschmann der Bastard-Pop-Frickler Deutschlands schlechthin seine Finger im Spiel hat.
Und die Party hat massiven Einfluss auf das Werk von Schlachthofbronx. Denn die drei selbstgewählten Leitlinien der Musik sind:
1. Es muss im Club funktionieren.
2. Es muss auf irgendeine Art Eier haben.
3. Es muss 1. erfüllen.
4. Teilweise wird in Interviews auch noch gesagt, dass kein Musikstil länger als sechs Minuten vorherrschen darf. So viel zu Minimalismus.
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Was bekommt man da am Ende serviert? Neben zu schwenkenden Handtüchern nebst Trillerpfeifen und Tröten einen wilden Bastard aus obigen Musikrichtungen, Tempiwechsel inklusive. Gleichzeitig dient der Club als Testballon für neue Tracks, funktioniert der live, ist er würdig; funktioniert er nicht, nicht. Um ein wenig die Stimmung rüberzubringen, die bei den Clubgigs / DJ-Sets herrscht zwei Anekdoten:
- Hypie Hypie zur Wiesnzeit. Der Club ist voll, die Acts vorher machen Stimmung aber bringen die Leute nicht zum Ausflippen. Man holt sich zwischendrin mal ein Bier aus den Glaskühlschränken, geht aufs Klo oder unterhält sich. Kaum übernehmen die beiden Live-Repräsentanten des Dreiers – Bene und Jakob – das Steuer, verwandelt sich der Club in eine einzige Tanzfläche, die Glastüren laufen an, man hat keine Chance mehr zum Unterhalten oder zum Trinken. Man kann nur noch tanzen. Und der Bass lässt die Haare zittern.
- Explizit erwünscht ist auch, dass man Lärm macht. Ob genannte Tröte oder Pfeife, man kann sich auch anderes mitnehmen. An besagtem Abend hatte einer einen Topf dabei, mit dem er die Wand im Takt bearbeitete. Bene meint dazu nur: “Du suchst dir irgendwas im Club, was Krach macht und haust drauf. Und wenn es dabei kaputt geht – so what?”.
Und diese Stimmung schlägt sich auch in den Aufnahmen zur Platte nieder. Der Bums steht im Vordergrund, allerdings ergänzt durch vornehme Kollaborationen mit Künstlern aus Mali, Costa Rica oder Südafrika (Shlush Puppy Kids), aber auch Bayern (Kein Vorspiel ).
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Schlachthofbronx schaffen sich ein eigenes Genre – allerdings verwandt mit diversen Stilen aus Lissabon und Co. – und führen nebenbei das definitiv falsche Bieder-Image Münchens ad absurdum: Wir sind da. Und wir leben! Und wer weiß, vielleicht darf man ja mal einen gemeinsamen Clubgig von Schlachthofbronx und LaBrassBanda erleben? Die Gene sind nahezu identisch, die Umsetzung nicht.
Mitglieder: Bene (a.k.a. Graf Stierenfroed), Jakob (a.k.a DJ-King Augenring), Christoph (a.k.a. Bass-King T)
Alben: Schlachthofbronx (2009), Belly Full Of Pills EP
Label: DiskoB, On The Brink Records
Musikdownloads: Holdin’ That Dick, Mad Instrument, Zirkus, mehr hier
Musikstreams: Album & Singles (Soundcloud)
Interviews: Generation Bass, jetzt.de
Für Freunde von: CSS, Ebony Bones, Buraka Som Sistema, Boy 8 Bit, Joyce Muniz




