von Thomas Liesch
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16. Oktober – The xx im 59:1
Update: Gemäß dem Review von Intro scheine ich gar nicht so arg daneben zu liegen. Viel Spaß heute abend!
-15’00″ – gespanntes Warten
Was darf man erwarten? Was hat man gehört, was denkt man selbst? Gelesen hat man “Album des Jahres, London-Hype, unterkühltes Album & unterkühlte Show, die modernen Joy Division, Soundtrack zur Krise”. Selbst denkt man zunächst nur, dass man das Ganze mag. Sonst stünde man nicht hier und stellte sich vor, was nun auf einen zukommen könnte.
0’45″ – Intro
“Das Intro ist eine kurzgefasste thematisch bezogene Einleitung in den kompletten Inhalt”. – Madley Croft, Sim, Smith und Qureshi stehen ruhig nebeneinander, Smith sitzt hintendran. Sie sehen so jung aus wie sie sind. Schwerer Synthiebackground, angezupfte Gitarre im downtempo, gezielter Bassdrumeinstieg, der Rhythmus erweckt mit Handclaps die Gitarrenmelodie zum Leben, um kurz darauf wieder dumpf zu verebben. Sphärischer Hintergrundgesang zur blau-schwarz gehaltenen Lightshow. Die Leute schauen gespannt, die Bierflaschen noch gefüllt und von der Kälte des Inhalts außen angelaufen.
2’30″ – VCR
“But you, you just know, you just do.” – Eine erste Annäherung an das Publikum mit zurückgenommenem, aber etwas leichterem Sound. Eine erste Annäherung von Madley Croft und Sim, die erste Strophe gehört ihrer Beschreibung einer jungen Liebe, untermalt von einem klaren Gitarrenlauf. Er antwortet sensibel in der zweiten Strophe, das Lied klingt im Duett aus. Gemeinsames Starskucken an der Bühne fühlt sich an wie gemeinsames Sternekucken am Pier.
5’04″ – Crystalised
“I wish the tide would take me over.” – Joy Division ohne Riley ist New Order ist “We’re like crystal.” Die Erkennungsmelodie des jungen Vierers aus London bohrt sich unerbittlich in die Gehörgänge, die ersten Zuschauer verziehen glücklich das Gesicht, man hat die Wirkung des Songs nicht unterschätzt. Im krassen Gegensatz zur Magie des These-Antithese-Gesangs. Einer legt vor, der andere zieht nach, alles in der vorübergehenden Synthese des gemeinsamen Gesangs, um diesen nach Antifolk-Manier in einer parallellaufenden Strophe auslaufen zu lassen. Wie präsent können derart zurückgenommene Stimmen noch werden? Brillanz beschreibt die Bündelung eines Strahls von elektromagnetischer Strahlung wie bspw. Licht. Genau das passiert hier gerade.
8’15″ – Islands
“Underneath and unexplored” – Der wohl zugänglichste Song des Abends. Der synkopische Rhythmus trägt das Lied in seiner Lässigkeit quer durch den ganzen Raum; die Zuschauer wissen, dass es ihnen gefällt, sie trauen sich aber nicht, die Stimmung durch zu viel Getue zu zerstören. Der Song baut sich immer mehr auf, jede Strophe eine Spur dazu, etwas dichter das Gerüst konstruieren. Retardierendes Moment bei 2′, erstaunlich zahmes Finale. Die rot-gelbe eingefärbte Bühne erntet dennoch stürmischen Applaus. “I am yours now.”
11’30″ – Heart Skipped A Beat
“No need to come to me, when I can make it all the way to you” – Weiches Spotlight von oben lassen die Instrumente in den Vordergrund treten, Handclaps führen uns in den Song ein. Die Stimmen kommen wie aus dem Off, sanft aber hartnäckig. Perfektes Duett. Die Zwei sind wirklich kein Paar?
16’00″ – Fantasy
“It’s deep in the middle of me, I can be fantasy “ – Faithless’ erste zwei Platten grüßen freundlich hinter der Bühne, der Synthiebass bedankt sich mit einem markdurchdringenden, dumpfen Ton, der mit 32 gehauchten Gitarrenanschlägen Gänsehaut verursacht. Ich bemerke mein Bier in meiner Hand.
18’45″ – Shelter
“It felt so crystal in the air.” – Präzises Spiel fällt auf. Die Vier bringen die Anlage für klaren Sound – die Anlage im 59:1 bringt den Sound. Die Staccato-Gitarre ab 3′ erinnert an Interpol, die Songs lassen allerdings jedwede Ironie eines Paul Banks vermissen: “I still want to drown, whenever you leave.”
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22’15″ – Basic Space
“I think I’m losin’ where you end and I begin.” – Die beste Songzeile der Platte versteckt sich im vom Sound her fröhlichsten Song des Konzerts. Die Zuschauer quittieren dies mit zartem Lächeln.
27’00″ – Infinity
“I can’t give it up to someone elses touch because I care too much.” – Das Bier ist leer, keiner traut sich neues zu holen. Mitten im offensichtlichsten 80s-Zitat – dem Handclap-Rhythmus – bleiben Zeit für Fotos. Spotlight mit konzentrierten Künstlern und konzentrierten Zuschauern, die der Dinge harren, die noch kommen.
30’15″ – Night Time
“And when the days come, it will have all been fun, we’ll talk about it soon.” – Der schwächste Song des Albums baut sich live ähnlich langsam auf, jedoch reißt der eingängige Teil des Refrains ab 2′ deutlich stärker mit als zuhause. Die folgende Strophe wird von einer eindringlichen Gitarre zum Finale geführt. Phantomschmerz setzt ein, man fühlt das nahende Konzertende.
35’10″ – Stars
“I can draw the line on the first date, I’ll let you cross it. Let you take every line I’ve got, when the time gets late” – The xx verabschieden sich unterkühlt wie zu Beginn. Man hat den Kreis betreten, durfte im Nachhinein verdammt jungen Menschen lauschen bei ihren Hommagen an den 80er Wave, den 90er House und dem 00er Indie. Herausragend in der Zurückhaltung.
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Intimität kann am Freitag erhofft werden. Dass man im 59:1 an drei Seiten der Bühne stehen kann, dürfte dem absolut zuträglich sein. Auch das ein oder andere unerwartete Cover darf begrüßt werden, gemäß diesem Gig Review hier.
Zu sehen am Freitag, 16. Oktober im 59:1 in der Sonnenstraße 27. Einlass ab 20:30 Uhr. Das Konzert ist ausverkauft.
phil am 22. 10. 2009Also The XX gehören bei mir auf jedenfall zu den besten Neuentdekcungen die ich dieses Jahr gemacht habe. Das Video von Crystalized ist zwar vom Style her schon tausendmal genau so gemacht worden, ich liebe es trotzdem in seiner Einfachheit die sich auch in der Musik wiederspiegelt.
Heart Skipped a Beat finde ich fast genauso gut wie Crystalized
manu am 31. 10. 2009“schon wieder ausge-xx-t?” wär ja jammerschade! mehr wissen die kollegen von on3:
http://blog.br-online.de/on3radio/index.php?/archives/635-Schon-wieder-ausge-xx-t.html
Thomas Liesch am 31. 10. 2009oh sorry phil, hab den kommentar erst vorhin im spam-ordner entdeckt. war keine absicht :/
Olga am 27. 11. 2009“It felt so crystal in the air”, amazing, amazing. Wirklich geile Lied.





