von Thomas Liesch
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Issue №2 – Frankreich

In unserer zweiten Ausgabe wenden wir uns einmal einem Nachbarn zu, der in letzter Zeit wieder mehr in den Fokus der Musik gerückt ist – aber noch nicht genug in meinen Augen. Denn Frankreich auf seine letzten großen Bands wie die skandalheischenden Justice, Phoenix – die mit “Wolfgang Amadeus Phoenix” ein wunderbar poppiges Album abgeliefert haben – oder The Dø, deren “A Mouthful” sich sehr für den Sommer eignet, zu reduzieren wäre zu einfach und eine vertane Chance.
Zumal ich diese 3 Bands genau nicht für das halte, was die französische Musik im Moment für mich ausmacht. Denn sie ziehen quasi ihr Ding durch, straight, schnörkellos, gut und unterhaltsam. Doch Frankreich kann mehr! Fast alle Bands, die es mir in den letzten Wochen angetan haben, vereinen zahlreiche Einflüsse und wahren dennoch ihre Wurzeln. Das heißt zum Einen, dass man trotz englischen Texten immer eine französische Note heraushört – sei es im Akzent, in den Melodien oder den Instrumenten. Und zum Anderen, dass man andere Strömungen mit einbezieht. So ist Tahiti Boy in New York verwurzelt, Kid Bombardos frönen dem altenglischen Beat, eine frische Meeresprise durchzieht die Bands von Sauvage Records und Kitsuné sind mit Digitalism und autokratz die Trendsetter des New German Rave. Oder so.
Paris und Bordeaux finde ich besonders spannend, denn beide Städte haben gewisse feste Kerne, die jeweils eine Richtung verkörpern: Paris scheint mehr der erwachsene, polyglotte Folkindie zu sein, während Bordeaux eine verdammt junge Szene hat, die mit ihrem Ungestüm punkbeeinflussten, geradlinigen Indie mit einem Hauch Salz in der Luft macht. Beides spannend!
Jil Is Lucky geht vom Prinzip her einen ähnlichen Weg wie angekündigt, vereint französisch klingende Melodien mit kanadischem Songwriting und mittelamerikanischen Instrumenten. Wie klingt das am Ende? Weniger wirr als man denkt. Das Banjo (oder Ukulele, man weiß es nicht so genau) gibt den Songs die Richtung vor, der mehrstimmige Gesang poltert und stolpert hinterher. Sicher eine schicke Besetzung für die Concerts à emporter…
Doch nicht alle französischen Bands kommen aus Paris. Ein sehr spannender Teil kommt beispielsweise aus Bordeaux. Und auch Lyon hat was Interessantes in petto: François Virot, dessen Platte “Yes Or No” man hier komplett im Stream anhören kann. Und ich denke, wer in den letzten Monaten mit Fleet Foxes, Animal Collective und Grizzly Bear gut gefahren ist, kommt auch bei Virot auf seine Kosten. Einen weiteren Song “Island” gibt es bei meinen Schweizer Kollegen.
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François Virot – Where o, where a

Clara Clara im Kafe Kult in München
Und genau von denen stammt auch der Tip mit Clara Clara, ebenfalls aus Lyon. Allein das Setup find’ ich großartig: Schlagzeug, Synthies und Bass. Dass man nicht mehr braucht hat ja damals (mit einer Ukulele) auch Micachu & The Shapes bewiesen. Und in der Tat, die etwas gameboyesquen Elektrosounds, verbunden mit einem drückenden “bontempi” Schlagzeug und einem Bass, der im Endeffekt wie eine normale, aber stark verzerrte Gitarre gespielt wird, verbinden sich zu einem wirklich geilen Gebilde. Druckvoll, energetisch, der im Hintergrund fast schon verschwindende Gesang ist eher ein normales Instrument, denn wirklich präsente Stimme. Sie selbst nennen das Ganze Post-Hardcore, was den Punkt ganz gut trifft, aber etwas abschreckend wirkt. Um so ärgerlicher, dass ich sie damals im Kafe Kult verpasst habe…
Wir sehen: Es sind viele und sie kommen immer näher. Umarmen wir sie und hören wir ihnen zu.
Manu am 16. 07. 2009sehr sehr fein! fein!
Pascal am 27. 07. 2009Sehr feine Idee, auf jeden Fall eine interessante Fortsetzung nach dem Lo-Fi Report;)
Tom am 28. 07. 2009Schön, dass es dir gefällt! Ehrlich gesagt könnte ich bei den Franzosen ein ganzes Blog über Wochen hinweg führen und hätte immer noch nicht alle tollen Bands drin… Aber morgen kommt noch ein Interview mit Maison Neuve (deren EP der Oberwahnsinn ist!) und dann geht’s schon zur nächsten Ausgabe von der Vorbereitung her. Tststs… :)
Musik Blog Berlin am 14. 08. 2009Sehr fundierter und interessanter Artikel.
Ein wirklich spannendes Thema -obwohl ich mich sonst mit französischer musik sehr schwertue!
Aber ihr habt mal wieder mut zum reinhören gemacht! dafür herzlichen Dank!
Tom am 15. 08. 2009Das freut uns! Wahrscheinlich ist ja für jedes Land und jede Musikrichtung ein längeres Reinhören fruchtbar; allerdings braucht man immer viel, viel Zeit, gerade wenn man sich alleine einliest…
nikkiundmichi.de am 30. 12. 2009Länger Reinhören ist immer gut. Wir bringen uns aus vielen Ländern Musik mit. Unterwegs kommt man bereits auf den Geschmack, zu Hause kann man dann nochmal Nachspüren und vertiefen.
Bei unserem letzten Paris-Aufenthalt haben wir uns ebenfalls eingedeckt. Von schönen klassischen Chansons bis zu den neusten Elektroni-Compilations. Leider ist die Buddha-Bar nicht mehr das, was sie mal war… ;-)
Merci!
nikki&michi
Thomas Liesch am 3. 01. 2010Ich würde ja eigentlich auch mal total gerne einen “Musikurlaub” machen, also eine Stadt besuchen und dort die lokale Musikszene unter die Lupe nehmen. Allerdings gelingt einem das ja selbst in seiner Heimatstadt kaum adäquat ;)




