von Thomas Liesch
Register: Bordeaux, Issue 02, Städtereise, Wer ist denn? | |
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Wer ist denn … Kid Bombardos?

Bordeaux? Warum gerade Bordeaux? Gibt es nicht andere genug Städte, die bekannter für gute Bands sind? Die Antwort ist so einfach wie bestechend: Gleich mehrere Formationen aus der schönen Stadt an der Garonne haben es mir sehr angetan. Alle eint ähnlich wie bei meinen Pariser Komparsen eine gute Bekanntschaft und die Liebe zu den selben Bühnen. Und sie sind alle verdammt jung und spielen trotzdem meist schon seit mehreren Jahren zusammen…
Fragt man die eine Band, mit welchen anderen Bands aus Bordeaux sie gerne abhängen, liest sich das folgendermaßen: “Kid Bombardos, Minuscule Hey, No Hay Banda, Cowboys In Africa” oder “The Weakends, The Magnetix, Kid Bombardos, Good Old Days” oder “No Hay Banda, Cowboys In Africa, The Sterlings, Sharitah Manush”. Alle ein harter Kern scheint auch hier vorhanden zu sein.
Kid Bombardos sind die Band, die mir am meisten von all den genannten zusagt. Die 17- bis 22-Jährigen kommen aus Saint-Médard-d’Eyrans, einem bordelaiser Vorort; ihre Vorliebe für alte Boxerlegenden zeigt sich sowohl in ihrem Space wie auch der Namensgebung: Denn Kid Bombardos war “a guy, who danced through the boxing ring and raised his fist in the air. A guy, who could blow his opponent with a powerful uppercut to the chin. A puncher and a designer.” Na dann wissen wir ja Bescheid.
Die einzige EP “Turnin’ Wrong” liegt mir dankenswerterweise als Promo vor; gleich der Aufmacher “I Round The Bend” dürfte wohl der einprägsamste Song der Vier sein, ein zurückgenommener 5-Minüter, der vom etwas leierigen Gesang und ganz besonders von den perlenden Plick-Plick-Gitarren lebt. Da verzichte ich sogar mal gerne auf meinen sonst so geliebten Bass, der hier nur ganz sanft im Hintergrund agieren darf.
Anders wird das schon beispielsweise bei “Days Come Speedy”, der zwar vom Songgerüst nichts Neues bietet, aber die Stimme, die irgendwo aus dem Off zu kommen scheint, macht schon was her. Selbige gefällt mir ganz besonders wegen diesem etwas “telefonhörerartigen” Verzerrereffekt, der mich irgendwie immer ein wenig an Mister Morrison erinnert. Das ruhigere “Turnin’ Wrong” gefällt mir auch überraschend gut, die Orgelpassagen schaffen ein wenig Kirmesflair, das ich sehr schätze – ohne Spaß jetzt! Ansonsten ist der Song eher eine gemütliche Jamsession auf großen Liegekissen mit einer Wasserpfeife daneben. Voll auf meine Orgel-Kosten komme ich in dem fünften Song der EP, “Deem The Lies”: ruhig, ein eingängiger Refrain, stakkatoartige Orgelpassagen, kurz und reif. Was bleibt mir zu sagen? Eine Band in der Dengeldengeltradition britischer Bands, die sich in meinen Augen auf ihre Stärken konzentrieren sollte – und das sind einprägsame Melodienläufe, die immer mal wieder durch die Zurückhaltung der anderen Instrumenten glänzen.
Mitglieder: David Loridan, Vincent Martinelli, Thomas Martinelli, Simon Martinelli
Alben: Turning Wrong EP
Label: Sober & Gentle




