16. July 2009
von Thomas Liesch
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Festivalcheval – Sonnenrot

Sonnenrot Echinger See
Echinger See, bei gutem Wetter sicher sehr entspannend

Nachtrag: Wie der ein oder andere mitbekommen hat, hat es gestern im Umkreis München den Regen gehabt, der die ganzen letzten Wochen abends nie gekommen ist. Somit fiel um 20:30 Uhr der Sound auf der Main Stage bei den Dropkick Murphys aus. Letztendlich die Folge:

Nach dem gestrigen Unwetter und der Evakuierung des Geländes kann die Main Stage heute, am zweiten Veranstaltungstag des Sonnenrot Festivals, leider nicht mehr bespielt werden. Allerdings haben sich die Künstler von der Main Stage dazu bereit erklärt …

… auf die Bühne im Zirkuszelt auszuweichen, es geht also im Trockenen auf alle Fälle weiter!

Der Spielplan sieht dann wie folgt aus:

Deichkind 1.30 bis 3.00
Samy Deluxe 23.30 bis 00.45
The Soundtrack Of Our Lives 22.00 bis 23.00
Moneybrother 20.30 bis 21.30
Sugarplum Fairy 19.00 bis 20.00
The Rifles 16.30 bis 17.15
Klee 17.45 bis 18.30
Olli Schulz 15.15 bis 16.00
Hjaltalin 14.00 bis 14.45

Da auf Grund der aktuellen Situation nur noch eine Bühne zur Verfügung steht, mussten folgende Künstler abgesagt werden : Auletta, Iriepathie und Scott Matthew. The Do hatten krankheitsbedingt bereits gestern alle Wochenendkonzerte abgesagt.

Extrem schade, dass nun insgesamt fast alle Bands nicht mehr spielen, die ich heute gerne gesehen hätte. Aber was will man gegen soviel Wetter schon machen…

Mehr Infos gibt es auf der Sonnenrot-Seite und im on3radio-Festival-Blog.

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Nun also das Sonnenrot Festival! Nachdem in den Jahren zuvor immer eine Überschneidung mit dem PLUS gegeben war, liegt es diesmal für den Münchener praktischer – außer er möchte zum Melt fahren. Am kommenden Wochenende, 17. – 18. Juli, wird Freitag und Samstag in Eching im Münchener Norden die Post abgehen.

Ich denke, dass ich mir große Worte zu bekannten Bands wie Deichkind, Peaches, Snow Patrol oder Moneybrother sparen kann, da ihr da eh schon Bescheid wisst. Stattdessen will ich lieber auf die Acts eingehen, die insbesondere live interessanten Sound machen und die man sonst nur schwerlich in München zu Gesicht bekommen könnte.

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Einen Titel haben sich Asaf Avidan & The Mojos bereits jetzt verdient: Ich habe in noch keinem Pressetext derart viele Superlative gelesen. Zu den Fakten: Asaf kommt aus Tel Aviv und macht mit seinen Mojos im Hintergrund eine recht bunte Mischung aus radiotauglichem Pop und Rock. Wer mich kennt, weiß, dass das nicht unbedingt ein Lob ist. Und auch aus den Myspacesongs kann ich noch nicht erkennen, was folgende Bezeichnen auf Anhieb rechtfertigt. “Der neue Messias”, “Einer der wichtigsten Musiker Israels”, “Die großartigste Stimme der zeitgenössischen Musik”, “Eine Magie, die die Seele von jedem Zuschauer zutiefst berührt”. Ich will mir nicht anmaßen gegen so viele Stimmen, darunter der Rolling Stone, jetzt.de, nyrock.com oder die israelische Tageszeitung Ma’ariv, zu argumentieren. Ich werd’s mir lieber anschauen und mich selbst überzeugen.

Aulettas “Meine Stadt” ist Franz Ferdinand! Aber brutal! Die schnelle, teils abgehackte Gitarre, der groovy Bass, der Songaufbau. Nur dass Auletta auf deutsch singen. Songthema ist meist das jugendliche Leben in einer etwas ruhigeren Stadt. Dementsprechend geht es um Feierei, Umzüge und Abstürze. Leider erreichen nicht alle Songs vom Writing her das Niveau von “Meine Stadt”, aber technisch gesehen scheint das eine blitzsaubere Band zu sein. Wenn sie das Ganze live ansprechend rüberbringen, könnte das unterhaltsam sein.

Hjaltalín
Hjaltalín erfüllen mein Klischee von Bands aus Reykjavík in Island voll und ganz. Meist spielen sie ruhigen, etwas weirden Indiepop mit Folkeinschlägen. Und das Seltsame ist: Fast alle Bands können das wirklich gut! Man muss sich nur mal die Beiträge von I Love Icelandic Music zum Music Alliance Pact anschauen. Hjaltalín ist für mich ein Pflichttermin!

Wenn eine Band aus dem Chiemgau kommt, war das in letzter Zeit ein Garant für saftige Voixmusikeinschläge – siehe LaBrassBanda. Leeds Club sehen das jedoch anders und setzen lieber auf eine Schiene, an der sich viele Münchener Bands schon versucht haben: 60s-inspirierter Indie. Aber ehrlich gesagt traue ich Leeds Club da mehr zu als den seligen Five!Fast!!Hits!!!, Pardon Ms. Arden und wie sie alle heißen: Die Stimme von Christian Schuhbeck ist einfach fantastisch! Und Daniel Schlicks harter Bass ist für mich normalerweise nicht so das Wahre – passt aber hier perfekt und gibt den Songs einen gewissen Rahmen. Faszinierend einfach ohne simpel zu sein!

Scott Matthew ist irgendwie ein wenig glitschig – jedes Mal entgleitet er mir: Das Konzert, der Theatronauftritt, immer verpasst. Aber vielleicht klappt es diesmal, dass ich den fröhlichen Melancholiker mit den vermeintlich traurigen Songs sehen kann. Von der Anlage her klingt das auch verdammt nach Elbow, selbst die Stimme klingt fast wie Guy Garvey. Was sicher kein Nachteil ist!

Weitere Live-Empfehlungen kann ich auf alle Fälle für The Rakes und The Staggers abgeben. Erstere habe ich bereits als Vorband von Franz Ferdinand im Zenith erleben dürfen und war positiv überrascht: Gerade im Vergleich ging der Sound und auch die Bandmitglieder deutlich mehr ab als FF. Letzte – die eigentlich The Incredible Staggers heißen – machen live irre krachenden 60s-Garage. Und auch die Geschmackspolizei von FM4 hat ihr Album “Teenage Trash Insanity” 2006 in den Himmel gehievt.

Tricky kenne ich nicht – und das, obwohl er “Godfather of Trip Hop” sein soll. Ich dachte immer, das wären Massive Attack. Nun gut, also was hören wir? Wir hören recht sanft gehaltenen TripHop, der sich mit Stilelementen des Pop, African Beat und ein wenig Rock schmückt. Ehrlich gesagt habe ich damit meine Probleme – vielleicht ist das live jedoch anders. Daher mal keine Empfehlung.

Unsicher bin ich mir auch bei The Dø. Natürlich wäre es zu schön gewesen, eine französische Band passend zur Frankreichausgabe zu hypen – aber die Pariser Stimme des Konzerttagebuchs war nicht wirklich überzeugt. Nichtsdestotrotz könnte das live bei entsprechender Stimmung unterhaltsam in Form von leichtem Sommerpop sein.

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Sonnenrot Camping Gelände
Das Festivalgelände, vermutlich der Campingbereich

Das Wetter schaut ja leider recht durchwachsen aus, Freitag kann es zwischendurch regnen und gewittern bei 20-25°, Samstag soll es morgens kräftig regnen, ab Mittag dann schauern bei um die 17°. Gummistiefel und Regenjacke sind wohl angebracht, auch eine Ersatzhose kann nicht schaden. Nehmt die Bilder also nicht ganz beim Wort *g*

Chronologische Zusammenfassung der Empfehlungen für Freitag: Leeds Club, The Staggers, Peaches, The Rakes, Asaf Avidan & the Mojos, Snow Patrol. Und für den Samstag lege ich folgende Bands ans Herz: Auletta, Hjaltalin, Scott Matthew, Moneybrother, Deichkind, Steff Keller Band.

Ort: Eching im Münchener Norden
Anfahrt mit dem Auto: Am Besten über die A9, rund 30 Minuten aus der Innenstadt
Anfahrt mit dem MVV: kostenlos mit Festivalticket, S1 gen Freising, in Eching raus, Shuttle nehmen. Dauer rund 45 Minuten aus der Innenstadt
Kostenpunkt: 2 Tage 74 Euro (laut Homepage exklusive 5 Euro Müllpfand), 1 Tag 45 Euro
Einlass: Zum Camping ab Donnerstag 17 Uhr, zum Festivalgelände ab Freitag 13 Uhr

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