5. May 2009
von Thomas Liesch
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Musikbloggen – eine Geschichte über sich selbst

Warnung: Dieser Artikel ist lang, egozentrisch und vielleicht nur schwer nachvollziehbar. Aber er ist mir wichtig.

Musikbloggen. Was ist das? Ist es die Freude an guter Musik? Oder doch die am Verriss schlechter? Ist es die Freude über die Information für interessierte Leser nach dem Motto “Wenn nur einer meiner Leser durch einen Artikel eine neue Band findet, die er mag, ist das super”? Oder nicht doch auch der Frust über all die “Nachmacher” und Hipsters, die nur auf den Zug aufspringen und eigentlich keine Ahnung haben (von Dingen, wo man ein paar Wochen zuvor ebenfalls keine Ahnung hatte)? Ist es Trends entdecken? Oder doch eher hinterherhecheln? Ist es Informationen sinnvoll selektieren und in einen Zusammenhang zu bringen – entweder fachlich gut und konsequent oder kreativ, lustig und neu? Oder doch eher das Abklappern von anderen Blogs und “verlautbaren”?

So fangen wohl Texte an, die eine Sinnkrise vermuten lassen. Und in der Tat, oft genug frage ich mich, fragen sich vielleicht auch andere (Musik-)Blogger, warum man das eigentlich macht. Doch wie geht man an sowas ran? Wie erklärt man für sich selbst diese merkwürdigen Doppelmoralen, die man an sich entdeckt?

Vielleicht sollte ich ganz am Anfang beginnen. Warum habe ich angefangen zu bloggen? 2005 war ich bereits mehrere Monate recht aktiver Konzertgänger, ich las viel über neue Musik, kannte wirklich fast jeden vermeintlich relevanten und aktuellen Song auswendig (im Ernst!), ich las einige Blogs und ich vermisste etwas: Ich vermisste eine Seite, die neben der Auflistung von Terminen auch Relevanz ausstrahlte. Und ich vermisste die ganz einfachen Funktionen, die das Internet bietet: Links, Bilder, Videos. Eine Seite wie IN München lieferte mir zwar massig Konzerte, traf aber keine wirklich prägnante Auswahl und fast null Zusatzinformationen. Das wollte ich ändern, für mich und für meinen Freundeskreis. Ob es gelungen ist, sei dahingestellt. Technisch war das Blog schon damals gnadenlos veraltet und auch inhaltlich nicht wirklich das, was ich mir gewünscht hatte.

Mit der Zeit rückte der Fokus immer mehr weg vom reinen Konzertbloggen hin zum allgemeinen Bloggen über Musik. Das Design wurde “blogesque”, die Kommentare und Leser zahlreicher. Ich suchte gemeinsam mit anderen Blogs den Sommerhit 2007, kündigte neue Alben und Konzerte an und wurschtelte so vor mich hin.

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Doch langweilte mich die “Indie-Schiene” so langsam. Gerade die Zweitalben der Helden von 2004 und 2005 wie Bloc Party (immerhin mit die Namensgeber für dieses Blog!), Franz Ferdinand, Maximo Park, Kaiser Chiefs, sie waren Abklatsch, nicht mehr das, was ich wollte. Ich ging kaum noch in Clubs, ich hing lieber in Kneipen ab, legte montags massig obskure Musik aus Polen oder Schottland zu meinen neuen Helden wie Arab Strap oder I Am Kloot auf.

Doch die Linie für das Blog ging immer mehr verloren. Ich versuchte ähnlich viel zu bloggen wie Nico, ähnlich tolle Bands auszugraben wie Uli und ähnlich schicke Aktionen zu starten wie die Schweizer. Am Ende bloggte ich recht willkürlich über eine Band, ein Stöckchen wurde geschmissen, eine Handvoll kleiner Bands ausgegraben ohne einen roten Faden oder eine klare Linie. Das Bloggen wurde beliebig, der Spaß wurde endgültig oft zur perzipierten Pflicht. Ich hechelte den Trends, den Bands und den Lesern hinterher. Die Leserzahlen wuchsen dennoch, was für mich immer noch ein Rätsel ist. Ich vermute, dass es nicht am besseren Content lag, sondern dass enttäuschte Leser aufgefangen wurden von der steigenden Anzahl von Bloglesern an sich. Und ich sah die ersten Blogs vergehen, die ebenfalls den Spaß verloren hatten: Die Stagediven oder der ambitionierte und wirklich talentierte David von Spadoinkle

Nun sind wir fast in der Gegenwart angelangt; das Bloggen von Streams nicht zu vergessen, das ich so exzessiv betrieb: Es ist einfach, nützlich für den Leser, legal und war im Endeffekt Ausdruck meiner neuen musikalischen Offenheit. Nachdem ich den New Rave fast ausgelassen hatte, war mein neues Kriterium an Musik die Hörbarkeit. Ich wollte Musik, die ich auch in 2 Wochen noch hören kann; die Bandbreite ist auch im Moment immer noch enorm. Und ich bin musikalisch im Moment rundum zufrieden. Doch das Blog ist für mich Intensivstation.

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Hallo in der Gegenwart. Wir haben also ein Blog ohne Linie, mit einem Layout, das dies zudem eher behindert denn fördert. Dazu haben wir einen Autor -mich- der an sich hochmotiviert eine Diversität an Musik hört und differenziert für sich zu beurteilen weiß. Und der zudem noch den Willen hat, hier nochmal was zu starten. Und wenn’s denn nicht funktioniert: Who gives a damn fuck?

Fakt ist: Konzertbloggen in Listenform ist nahezu sinnlos, Seiten wie Rote Raupe oder Last.fm können das besser. Das Herausgreifen von ausgewählten Konzerten könnte dagegen noch funktionieren, ein gutes (!) Review auch. Super finde ich ja den Music Alliance Pact, denn auch wenn die Songs zum Teil wirklich sehr geschmacksneutral sind, ist das eine Art des Blicks über den Tellerrand, der erstens die Augen für andere Musik öffnet, einen mit neuen Leuten verbindet und vor allem die Chance bietet, deutschen Bands ein kleines Forum im Ausland zu bieten. Jason erweitert ja jeden Monat die Liste der Länder, die teilnehmen; zudem sind die Kontakte zu größeren Magazinen und Co. langsam auch im Entstehen. Das Forum wächst quasi.

Auch das knappe Auflisten von Streams finde ich immer noch recht gut, auch wenn die Einbindung in das Blog besser sein muss. Wer zudem ein Album auf legalem Wege vorhören will, den interessiert dies. Wer alles saugt, wird das sinnlos finden, aber der ist vielleicht ja auch nicht der gewünschte Leser. Doch was fehlt noch, was bringt mir den Kick?

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Knackpunkt ist vielleicht immer, was liest man selbst bei anderen Musikblogs? Das teilt sich bei mir in genau zwei Arten von Artikeln. Die einen überfliege ich nur, spiele hier und da die verlinkten mp3s an und gut ist. Und die anderen, die lese ich gerne und vor allem auch auf dem Blog selbst, nicht im Reader. Und diese Artikel sind immer die, die mit Mühe, Schmalz und Charme geschrieben sind. Beispielsweise der wirklich knackige Dr. Pop. Oder die Interviews und Kritiken von Nico. Oder die Konzertberichte von Uli. Oder der berühmte Blick über den Tellerrand in meinen inzwischen über 20 Blogs, die aus dem nicht englischsprachigen Ausland kommen. Oder lokale Informationen wie sie Christian und Stefan für die SZ bei Besser München schreiben.

Nun wissen wir langsam, was der Autor will. Und inzwischen bin ich wieder der festen Überzeugung, wenn ich hier schreibe, was mir Spaß macht, wo ich mir gerne auch Mühe für mache, dann wird es auch den Lesern gefallen. Und der Verzicht auf kleinteilige Informationen wie die neue Single von hü oder das angekündigte Album von hott sollte den roten Faden nicht zu einem Tau werden lassen.

How soon is now? Ich weiß es nicht, ich werde mir Gedanken machen, Skizzen erstellen, programmieren, designen, entwerfen, testen und irgendwann was online stellen. Und ich denke, es wird monatlich sein, nicht mehr klassisch blogesque mal heute, mal gestern, sondern kompakt und hoffentlich aus einem Guss. Vielleicht seid ihr ja dabei.

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  • nicorola am 5. 05. 2009

    Hey, natürlich sind wir dabei! Zumindest ich. Bin gespannt, wohin die Reise geht! Wenn du Hilfe oder Anregungen brauchst, sag Bescheid!


  • Tom am 5. 05. 2009

    Freut mich :)

    Hilfe erstmal nicht, danke dir! Aber Anregungen und Kritik, was war gut, was eher schwach oder uninteressant, gerne!


  • bastl am 11. 05. 2009

    bei facebook würde ich jetzt den “gefällt mir”-knopf drücken. gefällt mir. gut sogar. beide daumen ganz weit hoch und fest gedrückt, damit was gutes dabei rauskommt.



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