Nachtrag: Interessant, dass bei mehreren Interviews der Vergleich zu Dizzee Rascals irrer Scheibe “Maths and English” von 2007 gezogen wird. Ich hatte den Vergleich nämlich ebenfalls im Kopf, fand ihn aber nach längerer Analyse nicht zutreffend. Zu unterschiedlich die Texte, die Ausgestaltung der Themen – und nicht zuletzt die instrumentelle Untermalung. Zur weiteren Lektüre: Plattentests.de sowie die Zeit-Rezension.
Interessant auch der Zeit-Hinweis auf die ByteFM-Sendung “Almost Famous”, deren Macher Michael Seifert sich ganze zwei Stunden Bloc Party widmet. Termin: Freitag, 31.10., 22 Uhr.
Anmerkung: “Unter Feuer” ist eine lose Serie von Plattenkritiken, alle auf dem ersten und nicht endgültigen Eindruck basierend.
Bloc Party
liegen mir irgendwie immer noch am Herzen. Auch wenn ihr zweites Album “A Weekend In The City”, wie bereits erwähnt, bei mir kein gnädiges Ohr gefunden hat, auch wenn Sänger Kele Okereke eine ätzende Diva ist und Gordon Moakes seinen Bass auf “Silent Alarm” nach Aussage von vier praktizierenden Bassisten niemals selbst eingespielt haben kann, ich mag sie immer noch. Das Debüt hatte für mich damals alles, was ich hören wollte, Melodien, Bumms, was Neues und Mitsinggarantie. Nicht alles davon brauch ich heute noch in dem Maße, also auf, neues Album, neuer Versuch. “Intimacy” – hier im Stream – unter Feuer.
“Ares” beginnt zehn Sekunden in himmlischer Ruhe, um dann durch Russell Lissacks sägende Gitarre unterbrochen zu werden, dem kurz danach Matt Tong mit seinem gewohnt treibenden wie komplexen Schlagzeug folgt. Der Gesang von Kele (und die gesungene Antwort,vermutlich von Matt) unterbricht den Lärm auf eine rappende Art. Nette Songzeilen wie “I want to declare a war” oder “To create or to destroy any gods and goddesses” leiten die gute Stimmung sofort ein. Der Refrain besteht dagegen nur aus verzerrten “Aahhhs” und rhythmischem Lärm.
Die zweite Strophe handelt (vermutlich, wenn ich den Kram richtig verstehe) von der Ausbeutung der Afrikaner und Bengalis durch Reebok, Nike, Adidas und Puma. Gut, dass ich Asics trage. Ich höre schon die Kritiker, die sagen werden: “Hört euch das an, was für eine Gesellschaftkritik, erneut ein Porträt unserer Zeit, Meilenstein!” Aha, bringt nix, auch die Pause bei 2 Minuten nicht. Verschachtelt, komplex, aber kein besonders schöner Einstieg. Andere würden hässlich sagen.
“Mercury” hab ich ja bereits frühzeitig abgebügelt. Ich mag dieses Mercury-Rumgerappe nicht, ich mag diesen verkappten The-Streets-Style nicht, denn so klingt das nur nachgemacht. Lahm, pseudodüster. Einzig die Bassmelodie beim Refrain taugt mir; Kandidat für nen guten Remix.
Huch, “Halo” klingt zunächst ja wie ein verkappter Metalsong, aber leck, die Gitarre ab Sekunde 13 ist genau die verdammte BP-Gitarre, die ich so liebe! Auch der Gesang ist wieder ganz “der alte”, klassische Songstruktur, Liebeslied der schnelleren Gangart. Am Ende ist es aber doch nur ein schwächerer Song ohne neue Elemente. Auf “Silent Alarm” wäre der unter den schlechteren gewesen…
Ich sollte mich entscheiden, was ich von dem Vierer aus London eigentlich wirklich hören will. Zumindest will ich keinen lauen Aufguss alter Klasse, aber auch keine ach-so-weiterentwickelten Songs, die dafür einfach hässlich sind. Mal sehen…
“Biko”. Ich dachte als erstes an meine lang vergangene Zeit als Downhiller – und dass unser Lieblingslied dabei ein Speedmetalsong mit dem schönen Text “No brain, no pain” war. Biko ist übrigens ein philippinischer Kokoskuchen. Irre. Doch der Song “Biko” dümpelt da vor sich hin und scheint “Sunday” replizieren zu wollen. Uargh, wie lahm. Versagt.
Und weiter in der griechischen Sagenwelt. Nachdem der Kriegsgott Ares, darf jetzt das verwurmte “Trojan Horse” ran. Der Text ist wirklich ganz gelungen, ich mag Details wie “You used to take your watch off before we made love” in jeder Art von Text gern. Aber dieses beknackte “Just take me back to the start” nachdem’s aus ist… Gna. Und die instrumentelle Untermalung… Sägende Gitarre, Offbeatschlagzeug, alles schon gehabt. Stinkelangweilig. Ich hab’ schon ne Ahnung, was mein Fazit sein wird, aber lasst uns weitermachen.
“Signs”. Ohhh, Weihnachtsglöckchen! Mach’ hinne, der Skipknopf ist nahe… Boah, ich bin so geduldig… Lahmer Gesang, dingeldingeltschingtsching im Hintergrund, was ein Mist.
Falls ich zu sarkastisch oder unentspannt oder dumm oder assi bin, bitte in den Kommentaren beschweren. Aber der Anfang von “One Month Off” ist wieder mal so ein … wieder mal so bekannt: Schnelles Schlagzeug soll Dynamik erzeugen, alte Metalriffs, die einen Rasierer anlocken und der inzwischen nervtötende, immergleiche Gesangsrhythmus von Kele. Und ach ja, er “fightet” mal wieder. Was macht das? Skip.
“Standing in the city with the clocks counting one”. Geisterstunde rum? Wurd ja auch Zeit. “Baby I’m ashamed of the things I put you through”. You’d better be, honey. Und hey, wenn du noch öfter die zwei letzten Silben der Zeile nach ner Pause abstotterst, lass’ ich Cerberus von der Leine… Von wegen Geisterstunde rum… “Zephyrus”, der Westwind, er trägt mich weg…
“Better Than Heaven”. Gesang erinnert mich an C-Movies, wo Off-Sprecher mit leichtem, eigentlich behebbarem Sprachfehler mit zu tiefer Stimmlage für die kurzen Stimmbänder Texte wie “And death shalt come upon thou” vorlesen. Skip.
“Ion Square”. Komm, gib mir noch irgendwas!! Aaaaaaaaaaahh, Kinderklavier (Finger 2x pro Sekunde auf eine Taste hauen) und der Kaugummie-Leier-Gesang. Es ist so traurig…
Hm, es fängt so vielversprechend an, ein neuer Gitarrenverzerrer, ein mal etwas variierter Schlagzeugrhythmus. Und dann doch wieder Weihnachtsglöckchen im Hintergrund. Vielleicht sollten sie mal nen Gig in nem zerstörten Kinderzimmer machen. So wie in Max Payne (dem Spiel!) “Talons” können die Bezugsscheine sein, ein Erneuerungsschein, Krallen oder die Zinsleisten. Irgendwo zwischen diesem Unsinn könnt ihr mein Fazit für das Outro rausziehen.
Wenig Glück ihr habt, meine verehrten Leser. Zwei “Unter Feuer” und zwei Griffe ins Klo. Genau wie Kaiser Chiefs “Off With Their Heads” dümpeln die Songs nahe am erregungstechnischen Nullpunkt und sind für mich so langweilig, dass ich mich nicht mal wirklich aufregen kann. Weder kommt das Ganze an die alte Klasse heran, noch sind die Veränderungen so, dass sie mir gefallen. Failed. Aber das mit dem Gig in dem zerstörten Kinderzimmer wäre echt was. Oder Kele sollte seine Texte, die teils wirklich gut sind, in einem anderem Rahmen präsentieren. Also ohne diese Instrumentenarien und seinen leiernden Gesang.
Da mir wirklich kein Song gefallen hat, sind das für meine Begriffe, absolut subjektiv und voreingenommen, mit warmen Socken an den Füßen, null Punkte.



Cooperativ, in Deutschland über Universal ab 21.08.2008 erhältlich.
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