von Thomas Liesch
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I’m going to make him an offer he can’t defuse
Wenn ich an die Musikindustrie denke, sehe ich immer eine Tafel vor Augen. Blinkend, hell, mit *blippblipp*-Sounds:
Oh Mann, was macht ihr?
Was macht ihr? Gestern lese ich das(+++) hier mit dieser(+) Folge, heute das(++).
Hey, wir stehen auf eurer Seite! Und nu? Wir können offenbar keine CDs kaufen, wenn wir sie sammeln und benutzen wollen. Über Bands voller Enthusiasmus zu berichten und damit wohl hunderte Nutzer mitzuziehen, kann auch teuer werden. Und frustrierend dazu. Hey, wir stehen auf eurer Seite! Wir lieben Musik! Wir wollen keine gebrannten CDs verkaufen! (Die halten ja eh nicht…) Wir wollen gute Musik kaufen! Wir wollen viele gute Musik zu Hause haben und auch wirklich selbst ganz alleine besitzen! Audiodateien mit DRM besitzt man ja nicht wirklich, digitale Dateien sind auch nix zum Sammeln und halten auch nicht so lang, zumindest laut denen hier.
Aber mp3 sind trotzdem was Gutes, denn man kann sie mitnehmen. Und da nur noch wenige Menschen mit nem Kassettenspieler oder einem CD-Spieler rumlaufen, sondern lieber mit tollen apples, irivers oder samsungs, sind sie auch nicht mehr aufhaltbar. Aber sie ersetzen für mich – als Musikliebhaber, Musiksammler und DJ – keinen physischen Tonträger, in meinem Fall Vinyl. Lassen wir also beiseite, dass wir heute für ein Album online genausoviel zahlen, wie für eine CD aus dem Laden, obwohl viele Kosten wegfallen und wir nix in der Hand halten. mp3s sind wichtig, deswegen verlinke ich sie auch gerne von so tollen Seiten wie der hier, oder auch der oder der.
Und nein, ich mache keine Promotion. Ich verkaufe meine Liebe nicht. Ich verschenke sie! Ich zahle monatlich 7 Euro für diese Präsenz hier. Würde ich die Zeit, die ich hier investiere damit verbringen, meiner Arbeit als freier Mitarbeiter nachzugehen, könnte ich mir alle zwei Wochen einen gebrauchten Mercedes-Benz W123 kaufen. Ansonsten krieg ich außer 300 Besuchern täglich nichts, nicht mal Kommentare. Kein Feedback, außer der nackten Besucherzahl.
Ich mache auch keine bezahlte Promotion für tolle Bands, deren Labels, Publisher oder Tourveranstalter. Ich schreibe über die Bands und deren Songs, weil ich sie für hörenswert halte. Demletzt trat eine in Dortmund ansässige Promotionsagentur an mich heran:
“Sorry wenn ich dich so unangemeldet anschreibe. Ich habe auch nur eine kurze Frage an dich: Wäre es ok für dich, wenn wir dich mit in unseren Newsletter Verteiler aufnehmen würden? Wir denken dass der eine oder andere Künstler von uns vielleicht interessant für dich sein könnte. Gerne bieten wir dir auch mal Gratis-Mp3s, Videos oder andere Gimmicks für deine Seite an. Könnte das interessant für dich sein?”
Mir schossen sofort zwei Fragen durch den Kopf: “Bin ich verpflichtet, was zu schreiben und die Bands positiv zu erwähnen?”, sowie: “Kann ich die mp3s publizieren, ohne dass ich Post der Kanzlei Lack&Leder bekomme?”
So schlimm steht es um uns Musikblogger. Der Abwahnanwalt steht drohend wie eine australische Glühbirne über uns. Doch meine Befürchtungen wurden zerstreut:
Natürlich wollen wir dir nix aufdrängen! Entweder es gefällt dir oder nicht! ;O) Ob du letztlich was über unsere Bands schreiben möchtest liegt ganz allein an dir! [...] Alle Videos bzw. Mp3s die wir dir anbieten werden sind rechtlich einwandfrei legal! Du wirst also keine Post von Anwälten bekommen.
Und hey, ist das nicht eine gute Sache? Eine klassische Win-Win-Situation, wenn es denn so stimmen sollte. Ich bekomme Hinweise auf neue, eventuell auch gute Bands, bekomme Exklusivmaterial zugeschoben, das ich verwenden darf, wenn ich mag und darf aber auch die Bands an der Luft verreißen. Zumindest so lange, bis ich keine Post mehr von der Promotionsagentur bekomme. Die Agentur bekommt Aufmerksamkeit für ihre Künstler, deren Veröffentlichungen und Konzerte. Und der Leser / Musikfan profitiert sowieso, denn er bekommt einen kostenlosen und unverbindlichen Einblick in neue Musik.
Und warum ist das für die Plattenfirmen und Bands gut? Bringt ihr ein, zwei gute Schnuppertracks als freie mp3s raus, kann sich jeder einen Einblick in das Album oder die EP verschaffen. Und wenn ihm die Musik und die Band wirklich gefällt, wird er das Album kaufen, legal und komplett. Im Endeffekt ist das mp3 dann nichts anderes, als früher die Radiosingle, die im lokalen Hörfunk gespielt wurde. Wenn ich das Lied höre, es mir gefällt und mich packt, dann renn ich in den Laden und kauf ganz einfach diese Platte. Physisch. Doch auch ihr müsst erkannt haben, dass die Aufstiege bestimmter Bands, Künstler und Musikrichtungen nicht in den Hochglanzmagazinen oder Rundfunkanstalten gemacht werden. Sie werden hier gemacht, durch die Blogger, die in technisch vermittelter Mund-zu-Mund-Propaganda herausragende – ganz wörtlich zu verstehen – Dinge publizieren.
Keiner ist ohne Fehler. Wir auch nicht. Aber wir sind voller Tatendrang, voller Liebe für gute Musik und voller Ideen. Meine Idee, mein Vorschlag, mein Angebot an euch:
Kommt zu uns ins Boot. Wir wollen doch alle das Selbe! Ihr gebt uns Inhalte, wir geben euch Inhalte. Ihr gebt uns, was uns Aufmerksamkeit verschafft und ihr bekommt Aufmerksamkeit. Ihr wollte gute Platten verkaufen, wir wollen gute Platten kaufen. Also gebt uns was, das uns von der Band überzeugt. Gebt uns was, was unsere Leser von der Band überzeugt. Wir wollen kein Geld, wir wollen keine Entschädigung! Wir wollen nur guter Musik lauschen… Mit gutem Gewissen, egal ob auf dem Apple, PC, iRiver, Samsung, CD-Player, Dual oder Technics.
Tom am 14. 05. 2007Hier standen drei Spamkommentare eines Münchener Bloggers. Bitte keine Werbung auf kommerzielle Angebote.
Ich mach das bei euch auch nicht. Wer mich persönlich auf etwas hinweisen will, kann mir gerne eine E-Mail schreiben, die Addy steht im Impressum.




